Das Nintendo 64 war kein kommerzieller Mega-Erfolg, setzte auf veraltete Technik und bereitete gewissermaßen den Weg für Sonys Dominanz auf dem Gamingmarkt. Und doch ist dieses schwierige Stück Technik meine absolute Lieblingskonsole – und daran wird sich auch nichts ändern. Deswegen gibt’s zum 30. Geburtstag des Systems (gemessen am Japan-Release) keinen objektiven Hardware-Deep-Dive inklusive skurriler Addons wie dem 64DD samt Maus-Controller, sondern eine nostalgische Liebeserklärung. Wobei natürlich trotzdem geklärt wird, wie das Nintendo 64 die Branche für immer veränderte – obwohl es auf dem Papier ein Flop war.
Nintendo Sixty-Foooooooouuuuurrrr
Mein Spielkonsoleneinstieg war ein Atari 2600 in der wenig hübschen Junior-Variante. So richtig geweckt wurde meine Gaming-Leidenschaft aber mit dem Sega Mega Drive, den Papi gebraucht im Dorf erstanden hatte. Erstaunlicherweise erinnere ich mich hier weniger an Sonic, dafür umso mehr an Mehrspielerduelle in Road Rash (die Kette!) und das Lizenzversoftungsmeisterwerk Aladdin. Ein SNES hatte ich selbst nicht beziehungsweise immer nur leihweise. Soll heißen: Ich war nicht Team Nintendo.
Warum also das N64 und nicht die PlayStation? Schuld hat das lokale Kaufhaus. Da war ich also zufällig mit meinem besten Freund nach der Schule unterwegs, stieg die Treppe hoch und entdeckte – eine N64-Anspielstation! Ich weiß nicht mehr sicher, welches Spiel ich als erstes gesehen habe, aber meistens steckten Pilotwings 64 oder ClayFighter 63 1/3 im Modulschacht. Nicht die besten Aushängeschilder, trotzdem standen wir mit offenen Mündern vor der Glotze.
Doch manchmal, mit viel Glück, lief auch Super Mario 64. Und wenn man dann das unverschämte Glück hatte, den Controller selbst in die Hand zu nehmen statt zum Zuschauen verdammt zu sein, war das mein absolutes Wochenhighlight! Ich glaub, ich war nie wieder so gehypt. Zum Glück erbarmten sich meine Eltern nach anhaltenden, wenig subtilen Hinweisen und das Teil lag zu Weihnachten unterm Baum. Du kennst doch dieses "Nintendo Sixty-Fooour"-Meme, oder? Das war ich! Also nicht in echt, aber so was wie die deutsche, etwas pummeligere Version davon.
Die vergessene Gaming-Revolution
Wenn ich dich frage, was die coolste, wichtigste oder erfolgreichste Nintendo-Konsole ist, würdest du wohl in keinem der Fälle "Nintendo 64" schreien. Dabei hat meine Lieblingskonsole gleich mehrere Innovationen rausgehauen, die zum Branchenstandard wurden.
Da wäre einmal der Anbruch der 3D-Ära. Das war natürlich keine Leistung von Nintendo, sondern ein anhaltender Prozess, zumal Sonys PlayStation deutlich früher auf 3D-Polygongrafik setzte. Aber erst das N64 gab uns den dringend nötigen Analogstick, der das präzise Navigieren durch die 3D-Welten erlaubte! Ohne dieses kleine Stück Plastik hätte Nintendo niemals sein Maskottchen Mario so perfekt in die dritte Dimension verfrachten können. Und wo wir dabei sind: Link etablierte das Anvisieren von Gegnern (Z-Targeting), das bis heute ein Genrestandard ist.
Eine andere Sache, die heute gang und gäbe ist, wurde ebenfalls durch den N64-Controller popularisiert: Vibration! Das optionale Rumble Pak, das hierzulande im Bundle mit Lylat Wars verkauft wurde, machte das Spielen physisch spürbar. Aber Vorsicht: Nintendo machte das Feature zwar massentauglich, allerdings brachte Sony exakt zwei Tage früher einen Conroller auf den Markt, der ebenfalls vibrierte. Wenn auch nur in Japan. In die gleiche Kerbe schlagen die vier Controller-Anschlüsse. Auch das gab es schon bei früheren Konsolen, wobei man dort erst teure Adapter kaufen musste. Das N64 aber unterstützte vier Spieler ab Werk und wurde damit zur ultimativen Couch-Koop-Maschine!
Games für die Ewigkeit
Kommen wir zu den Spielen! Die beiden wichtigsten wurden schon genannt: Super Mario 64 zeigte, wie ein Jump’n’Run in 3D funktioniert, während The Legend of Zelda: Ocarina of Time eine epische Geschichte mit zwei Zeitebenen und fantastischer Musik erzählte. Beide wurden zu Blaupausen ihrer jeweiligen Genres, trotzdem sind sie für mich nur die Spitze des Eisbergs!
Banjo-Kazooie nahm die Basis von Mario, erweiterte sie aber um kreative Verwandlungen, mehr Sammel-Items und eine ausgefeilte Soundtechnik, die beeindruckende Übergänge ermöglichte. GoldenEye 007 hingegen bewies, dass auch Ego-Shooter auf Konsolen funktionieren konnten! Aber Halt, damit jetzt keine Textwüste entsteht, ein kleiner Speedrun durch meine Highlights:
- Wave Race 64: Ein Rennspiel mit Tiefgang und für damalige Verhältnisse realistische Physik
- Paper Mario: Ein 2D-Mario mit Flachflach-Optik, das RPG- und Plattformer-Mechaniken vereinte
- F-Zero X: 60 Bilder pro Sekunde und das beste Geschwindigkeitsgefühl ever
- Rogue Squadron: Setzte voll auf den besten Teil von Shadows of the Empire: Flugmissionen!
- Mario Party: Der Endgegner für intakte Analogsticks und Handinnenflächen
- Blast Corps: Nie sorgte ein außer Kontrolle geratener Atomraketentransporter für mehr Spaß
- Mischief Makers: Herrlich kurioser wie schwerer 2.5D Plattformer
- Super Smash Bros: Ein Riesenspaß, auch wenn ich keine Chance gegen meinen Kumpel hatte
- Mario Kart: Die beste Inkarnation der Rainbow Road
Was mit Donkey Kong 64 und Majora’s Mask ist? Waren leider beide nicht meins. Donkey Kong 64 hatte zwar den fantastischen DK Rap, das Spiel übertrieb es aber mit seiner Sammelwut. Und so sehr ich den Artstyle und die Atmosphäre von Majora’s Mask schätze, das Zeitlimit hat mich immer gestresst. Ist es Zufall, dass beide Titel das Expansion Pak voraussetzten, das den RAM-Speicher verdoppelte? Eine kuriose Hardware-Entscheidung – aber nicht die seltsamste …
Die große Hassliebe: Cartridges
Aus Käufer- und Entwicklersicht lässt sich nicht nachvollziehen, warum Nintendo auf Module statt CDs setzte. Module sind teuer zu produzieren, kosten dadurch auch mehr im Verkauf, haben wenig Speicherplatz und matschigen Sound. Warum also keine CDs? Weil sich Module schwerer schwarzkopieren lassen und man zusätzlich die Kontrolle über die Produktion behielt. Als Vergleich: Für jedes produzierte Modul musste der Publisher 25 bis 30 Dollar berappen, wohingegen eine PS1-CD gerade mal 1 Dollar kostete. Ein Wunder, dass die Dritthersteller nicht in Scharen davonliefen – das passierte dann in der nächsten Konsolengeneration.
Der größte Nachteil war aber nicht the Preis, sondern der Speicherplatz. Die meisten N64-Spiele mussten mit 8 bis 32 MB auskommen, nur in Ausnahmen wurden 64 MB-Module eingesetzt. Vergleich das mit der Billo-CD, die den Entwicklern satte 650 MB zur Verfügung stellten. Was dann auch dafür sorgte, dass Square seine berühmteste JRPG-Reihe nicht mehr auf Nintendos Plattformen raushaute, sondern bei Sony – die Zwischensequenzen von Final Fantasy VII hätten schlicht auf kein Modul gepasst.
Trotzdem liebe ich die Module. Zum einen gab es hier keine Ladenzeiten, vor allem aber ist es ein tolles Gefühl, so ein schweres Modul in die Hand zu nehmen und mit einem satten CHONK in die Konsole zu kloppen! Die Dinger sind nämlich ganz schön stabil, im Gegensatz zu CDs. Pro-Tipp: Wenn ein Modul mal nicht startet, NICHT reinpusten! Da landet immer Spucke auf den Kontakten, die zu langfristigen Schäden führt. Nimm stattdessen Druckluftspray aus der Dose oder, falls du direkt an die Kontakte dran kommst, ein Radiergummi.
Gewinner meines Herzens
Um Arthur Spooner zu zitieren: Für mich sind die Verlierer die wahren Gewinner. Sonys PlayStation war erfolgreicher, ja. Doch ich liebte meinen N64. Liebe ihn bis heute. Kaum ein Spiel habe ich so oft durchgezockt wie Ocarina of Time oder Super Mario 64. Doch am meisten sind mir die vielen Multiplayer-Erlebnisse im Gedächtnis geblieben. GoldenEye 007 im Vier-Spieler-Splitscreen und meinem geliebten Golden-Gun-Modus? Perfektion! Noch packender waren die Duelle in Pokémon Stadium, natürlich mit den auf dem Game Boy gefangenen und per Transfer Pak übertragenen Tierchen. Und bis heute bin ich nicht sicher, welches Rennspiel wir am meisten gezockt haben: Mario Kart, Diddy Kong Racing, Wave Race oder F-Zero X?
Das Nintendo 64 war ein technisches Paradoxon, ein kommerziell Zweitplatzierter und ein Design-Abenteuer. Aber für mich bleibt es die beste Konsole der Welt!
Wie siehst du das? Stehe ich mit meiner N64-Liebe allein da oder bist du auch Team Modul? Ich habe eine Mini-Umfrage mit zwei kurzen Fragen vorbereitet – klick dich mal rein!
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